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Schuhe aus Schokolade, perfekter könnte die Kombination für die Damenwelt nicht sein. Auch Schokoladenfiguren gehören zum Repertoire der angehenden Konditorin Anneke Schild aus Lütetsburg.

Ein Gefühl für Schokolade

Handwerkskammer zeichnet Anneke Schild aus Lütetsburg zum Lehrling des Monats aus.

Ostfriesland. Früh morgens um 4 Uhr beginnt Anneke Schild (20) ihr Tagewerk. Zunächst werden die Bestellungen in der Konditorei Café ten Cate in Norden bearbeitet: Torten, Kuchen und Gebäck. Später, wenn der erste Ansturm vorüber ist, fertigt das Team Kekse, Pralinen, Marzipanfiguren und Co. für die Auslage an. „Schokolade muss man fühlen. Dafür braucht man Ruhe und eine ruhige Hand“, erklärte Konditormeister Jörg Tapper. Ist sie zu heiß oder zu kalt, hat die Masse nicht die richtige Konsistenz. Auch für die Zuckerverzierungen und Marzipandekorationen braucht es Geduld und Fingerspitzengefühl.

Anneke Schild liebt die kreative Arbeit: „Ich habe schon immer Torten gebacken und Pralinenrezepte ausprobiert.“ So hat die angehende Konditorin im dritten Lehrjahr ihr Hobby zum Beruf gemacht. An das frühe Aufstehen habe sie sich längst gewöhnt. Jörg Frerichs, stellv. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Ostfriesland, hat die Lütetsburgerin an ihrem Arbeitsplatz besucht und sie zum Lehrling des Monats ausgezeichnet. „Es ist toll, zu sehen, wie junge Menschen in ihrem Beruf aufgehen“, sagte er und lobte auch den Chef für seine Ausbildungsanstrengungen. Derzeit werden bei Café ten Cate zwölf Lehrlinge im Konditorenhandwerk sowie als Fachverkäufer ausgebildet.

Gegründet wurde das Café 1878 und wird in fünfter Generation mit rund 40 Mitarbeitern geführt. „Mein Vater meint, rund 400 Lehrlinge ausgebildet zu haben“, berichtete Jörg Tapper. Er ist auch Obermeister der Konditoreninnung Ostfriesland und pflegt engen Kontakt zur Conerus-Schule Norden. Die standortnahe Beschulung sei sehr wertvoll für die sieben Konditoreien sowie 26 Bäcker- und Konditoreibetriebe in Ostfriesland, in denen derzeit 22 Konditoren und acht Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk (Konditorei) ausgebildet werden. Gäbe es die Berufsschule nicht, wären viele Ausbildungsstellen aufgrund der höheren Kosten nicht finanzierbar, waren sich Frerichs und Tapper einig.

„Ich möchte, dass die ostfriesische Ausbildungsqualität ganz oben rangiert“, erklärte der Obermeister. Aus diesem Grund hat er auch erstmals seine Auszubildenden für ein vierwöchiges Auslandsstipendium nach Österreich geschickt. Anneke Schild durfte im Februar in der Patisserie eines Vier-Sterne-Hotels mitarbeiten. Die Desserts wie Crème brûlée, Panna Cotta, die Strudel Buffets, Sachertorten und Eiskreationen haben es ihr dabei besonders angetan. An ihrer Arbeit liebt sie, dass der Beruf so vielseitig ist und ihr viele Möglichkeiten bietet. Sie könne in Hotels, Backstuben, Patisserien, auf Luxuslinern, in Restaurants oder Schokolaterien in aller Welt arbeiten.

Dass ihre deutsche Ausbildung hoch angesehen ist, hat sie in Österreich erfahren. Dort erhielt sie ein Jobangebot. Dennoch möchte die Lütetsburgerin ihre Heimat nicht so schnell verlassen. Für Juli will sie sich erst einmal auf ihre Abschlussprüfung vorbereiten, die sich im Praktischen rund um das Thema „Traumhochzeit“ drehen wird. Was danach kommt, hält sie sich noch offen. Sicher ist, dass es im Bereich des Konditorenhandwerks sein wird. Denn dafür schlägt ihr kreatives Herz.

Um die Chancen und Perspektiven einer Karriere im Handwerk aufzuzeigen, vergibt die Handwerkskammer die Auszeichnung „Lehrling des Monats“. Betriebsinhaber können für ihre Auszubildenden Bewerbungen einreichen. Ansprechpartner ist Dieter Friedrichs, Tel. 04941 1797 -58. Unterlagen gibt es unter www.hwk-aurich.de.

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